Der Lange Weg zum Mozartweg

Mit einem Fest in Aarburg, im Kanton Aargau, haben die Initianten des Schweizer Mozartweges und rund 150 Gäste die erste Hinweistafel enthüllt.
Bis in zehn Jahren soll die Reiseroute der „Schweizer Reise“ Mozarts, welche die Familie 1766 von Genf nach Schaffhausen führte, gekennzeichnet sein. Mozart „gehört“ nun einmal den Österreichern. Das hat der bisherige Verlauf des Mozartjahres, das an den 250. Geburtstag des Musikgenies erinnert, gezeigt.
Will nun die Schweiz mit dem Mozartweg auch etwas Glanz des berühmten Wolfgang Amadeus abzweigen? „Als die Familie Mozart 1766 durch die Schweiz reiste, gab es die Nationalbegriffe Schweiz und auch Österreich noch gar nicht. So gehörte Genf gar noch nicht zur Schweiz“, sagt Christina Kunz, Musikerin und Initiantin des Mozartweges.
Zu seiner Zeit sei Mozart ja auch als „Deutscher“ oder als „der kleine Teutsche“ – je nach Schreibweise – bezeichnet worden, sagt Kunz. „Ich sehe Mozart als Kosmopolit. Deshalb entscheiden wir noch in diesem Jahr, ob wir uns dem Verein Europäischer Mozartwege in Salzburg anschliessen.“ Zudem sei Mozarts Grossmutter väterlicherseits möglicherweise Schweizerin gewesen.

Akribische Spurensuche

Die Route von Genf nach Schaffhausen soll binnen zehn Jahren ausgeschildert und mit Tafeln gekennzeichnet sein. Dann nämlich liegt die Schweizer-Reise der Mozarts 250 Jahre zurück.
Christina Kunz hat den historischen Weg, den die Kutschen damals nahmen, einmal anhand des heute vergriffene Buches von Lucas E. Staehelin „Die Reise der Familie Mozart durch die Schweiz“ heraus gefunden. Für den genauen Verlauf stellte ViaStoria, das Zentrum für Verkehrsgeschichte in Bern, dem Verein Schweizer Mozartweg ihr Wissen und die Karten der historischen Verkehrswege in der Schweiz zur Verfügung. So konnte der Verlauf der Hauptstrasse Genf – Schaffhausen um die Mitte des 18. Jahrhunderts genau rekonstruiert werden. „Eine Riesenarbeit war das“, sagt Christina Kunz.

Aarburg, nicht Zürich

Spannend ist es heute zu sehen, dass etliche Abschnitte bis heute Hauptstrassen geblieben sind. Vielbefahren und lärmig. Wenig erinnert da an die Musik von Mozart. Der überwiegende Teil der ehemaligen Hauptverkehrsader ist heute jedoch Feldweg geworden. Kaum zu glauben, dass das vor 250 Jahren die Hauptstrasse durch die Schweiz war. So auch rund um Aarburg. Die Kleinstadt mit heute 6500 Einwohnern war zur Zeit von Mozart bernisch und ein Verkehrsknotenpunkt zu Land wie zu Wasser.
Weil in Aarburg die Idee des Schweizer Mozartweges geboren wurde und Mozart auf dem Weg nach Osten den Ort durchfahren musste, wurde die erste Schrifttafel zum Mozartweg hier aufgestellt und nicht etwa in Zürich, wo Mozart Konzerte gab.

Viel Interesse aus der Romandie

„Aarburg ist auch etwas näher an der französischsprachigen Schweiz, die sich sehr um den Mozartweg bemüht und von der Idee begeistert ist“, sagt Christina Kunz. So waren an der Eröffnungsfeier auch René Spalinger, der Präsident und Gründer der Societé Mozart Lausanne 1766 (Mozart gab in Lausanne Konzerte) und auch die Gemeinde Prangins dabei. Generell hofft der Verein Schweizer Mozartweg, dass viele der 120 Gemeinden entlang der Route die einheitlichen Tafeln aufstellen, so dass der Reiseweg der Mozarts zu Fuss oder per Fahrrad entdeckt werden kann.

Wander- und Bildungsweg

Für Christina Kunz reicht allein die Tatsache, dass Mozart auf diesem Weg durch die Schweiz reiste nicht aus. Auf dem Weg müssen Bezüge zum Schaffen des Komponisten geschaffen werden. Hinweistafeln und Stationen oder Museen, wo Informationen weitergegeben und Musik gehört werden kann. „Dazu kommen Hinweise auf Zeitzeugen, auf die Kultur und die Geschichte von damals. Zum Beispiel gibt es Pferdewechselstellen, die heute noch als Gebäude stehen.“ Vor allem aber soll der Schweizer Mozartweg auch die Jugend erreichen. Es sollen fixfertige Schulreisen angeboten werden. „Erfahrungen im Mozartjahr 1991 haben mir gezeigt, dass auch junge Leute, die mit dieser Art von Musik nicht viel am Hut haben, dafür entflammt werden können.“
Der erste Schritt ist nun getan und die ersten Schrift- und Hinweistafeln zum Schweizer Mozartweg stehen. Laufend wird er nun erweitert. Wie immer ist alles auch eine Geldfrage. Der Verein hofft auf Sponsoren. Etliche Firmen haben denn auch ihr Interesse bekundet.

Autor Urs Maurer, erschienen am 1.9.2006 auf Swissinfo.